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3. Juni 2026 | Lesezeit ca. 7 Min.

Vom Pacific Crest Trail zum eigenen Outdoor-Label: Die Geschichte von 10gram und Gründerin Sophia

4.300 Kilometer zu Fuß von Mexiko nach Kanada – für viele ein Lebenstraum, für Sophia der Beginn von etwas viel Größerem. Als sie 2022 den Pacific Crest Trail in Angriff nahm, ahnte sie noch nicht, dass die monatelange Wanderung nicht nur ihren Blick auf Outdoor-Ausrüstung verändern, sondern auch den Grundstein für ihre eigene Marke legen würde. Heute entwickelt sie mit 10gram Equipment ultraleichte aktive Midlayer aus dem Hochschwarzwald – designt in Deutschland und in Kleinserie in Italien gefertigt.

Da wir selbst ein Jahr später auf dem Pacific Crest Trail unterwegs waren, wollten wir mehr über ihren Weg erfahren. Wie aus einer Fernwanderung eine Unternehmensgründung wurde, welche Rolle der PCT dabei spielte und warum intelligente Leichtigkeit das Outdoor-Erlebnis verändern kann, erzählt Sophia im Interview.


Was hat dich 2022 dazu bewegt, den PCT zu laufen?

Während des Studiums hatte ich nicht viel Geld und kam auf die Idee, mir einen großen Wanderrucksack zu kaufen und einfach loszuziehen. Nach den ersten Touren hatte ich allerdings mehr Rückenschmerzen als Abenteuerlust und wusste: Das muss besser gehen. Also begann ich, mich intensiv mit leichterer Ausrüstung zu beschäftigen.

Die größte Bewegung rund um ultraleichte Ausrüstung kam damals bereits aus den USA. Ich habe unzählige Videos geschaut und meine Ausrüstung Stück für Stück optimiert. Irgendwann stellte sich die Frage: Wie weit kann man das treiben? Und wo könnte man das besser testen als auf einem der großen Fernwanderwege der USA?

Mein Studium war fast abgeschlossen, als ich mich für ein Permit des Pacific Crest Trail beworben habe. Ehrlich gesagt dachte ich: Wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet ich aus dem kleinen Lenzkirch im Hochschwarzwald eine Genehmigung bekomme? Aber es hat tatsächlich geklappt. Im Frühjahr 2022 ging es voller Vorfreude in die USA. Dass diese Entscheidung mein Leben nachhaltig verändern würde, konnte ich damals noch nicht ahnen.


Wie kam es vom Trail zur Gründung von 10gram?

(c)10gram_Sophia
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Dieses Freiheitsgefühl auf einem Fernwanderweg lässt sich schwer in Worte fassen. Gleichzeitig hatte ich das erste Mal das Gefühl, mit meiner Ausrüstung wirklich zufrieden zu sein. Wenn alles funktioniert und man sich keine Gedanken machen muss, weiß man das besonders zu schätzen.

Während der knapp fünf Monate auf dem Trail hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Irgendwann wurde mir klar, dass man die Chance hat, etwas aus seinem Leben zu machen, das einem wirklich Freude bereitet. Also begann ich, Ideen zu sammeln und über meine Zukunft nachzudenken.

Der entscheidende Moment kam auf dem Weg zum Mt. Whitney. Für den Sonnenaufgang starteten wir mitten in der Nacht. Als ich die Lichterkette der Wandernden vor mir den Berg hinaufziehen sah, musste ich an Ziele denken. Jeder dort hatte sich vorgenommen, den Gipfel zum Sonnenaufgang zu erreichen – trotz Dunkelheit, Kälte und Anstrengung. Oben angekommen wusste ich: Ich möchte etwas Eigenes aufbauen. Ich wusste noch nicht genau was, aber ich brauchte ein eigenes Ziel.

Der Weg auf den Mt. Whitney hat mir außerdem gezeigt, wie viel durch Beharrlichkeit möglich wird. Wäre ich nicht bereits über 1.200 Kilometer durch die Wüste gelaufen, wäre mir dieser Aufstieg deutlich schwerer gefallen. Diese Erkenntnis, dass große Ziele aus vielen kleinen Schritten entstehen, habe ich mit nach Hause genommen.


Wofür steht 10gram, was ist deine Idee dahinter?
Ich möchte Materialien nach Europa bringen, die hier noch kein Standard sind und auf Performance ausgelegt sind. Produkte entwickeln, bei denen ihr euch freut, dass sie funktionieren. Und ein Umdenken anstoßen: weg von schwerer, unpraktischer Ausrüstung, hin zu intelligenter Leichtigkeit. 10gram, gesprochen ten gram, steht symbolisch für all die Stellen, an denen man bei seiner Ausrüstung optimieren oder sogar weglassen kann. Braucht man wirklich 4 Socken, oder reichen eigentlich 2?


Mit welchen Materialien arbeitest du aktuell?
Aktuell arbeite ich mit zwei Materialien. Das eine ist Polartec Alpha Direct, ursprünglich für die US-Spezialeinheiten entwickelt und einer der ersten wirklich aktiven Isolationslayer. Seit Neuestem auch ein zweites Material, das aus Europa kommt, sehr ähnliche Eigenschaften hat und zusätzlich 37 % Merinowolle enthält.

(c)10gram_Polartec
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Inwiefern hat der PCT deine Sicht auf Outdoor-Ausrüstung verändert?

Der PCT hat mir gezeigt, dass es nicht das eine perfekte Setup gibt. Nicht jeder ist ultraleicht unterwegs, und das ist auch gut so. Gerade dieser Austausch über unterschiedliche Ausrüstung macht die Outdoor-Community spannend. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass die klassische Philosophie „größer, schwerer, robuster“ nicht immer die beste Lösung ist. Besonders beim Thema Fleece hat sich meine Sicht verändert. Ein herkömmliches Fleece hält zwar warm, stößt bei hoher Aktivität aber oft an Grenzen.

In den USA kam ich erstmals mit Polartec Alpha Direct in Berührung und war überrascht, wie gut dieses Material Wärmeleistung und Atmungsaktivität kombiniert. Bis dahin war aktive Isolierung für mich eher ein Marketingbegriff, denn auf dem Trail habe ich den Unterschied selbst erlebt.


Was war die größte Herausforderung bei der Gründung?

Die erste große Herausforderung war die Suche nach einem Produzenten in Europa, der kleine Stückzahlen fertigt, Prototypen unterstützt und dabei fair sowie hochwertig produziert. Das hat rund sechs Monate gedauert.

Heute ist die größte Herausforderung die Vielfalt der Aufgaben. 10gram ist aktuell ein One-Woman-Business. Von Produktentwicklung über Einkauf, Buchhaltung, Logistik und Versand bis hin zu Kundenservice, Social Media und Marketing mache ich alles selbst. Von außen sieht man oft nur den Shop. Wie viele Prozesse, Systeme und Entscheidungen dahinterstecken, wird einem meist erst bewusst, wenn man selbst ein Unternehmen aufbaut. Genau diese Vielfalt macht für mich aber auch einen großen Teil des Reizes aus.


Wofür steht 10gram, was ist deine Idee dahinter?

Mit 10gram möchte ich Materialien und Konzepte nach Europa bringen, die hier bislang noch wenig verbreitet sind, aber einen echten Mehrwert bieten. Mein Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die nicht nur leicht sind, sondern vor allem funktionieren – egal ob auf einer Tagestour, einer Mehrtagestour oder einem langen Fernwanderweg.

Der Name 10gram steht symbolisch für die vielen kleinen Entscheidungen, mit denen man Ausrüstung optimieren kann. Dabei geht es nicht darum, um jeden Preis Gewicht zu sparen, sondern bewusst zu hinterfragen, was man wirklich braucht. Braucht man vier Paar Socken oder reichen vielleicht zwei? Für mich bedeutet Leichtigkeit vor allem Einfachheit, Funktionalität und mehr Komfort unterwegs.

(c)10gram_Sophia
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Was können wir in Zukunft von 10gram erwarten?

Eine kleine Outdoormarke, die versucht, die richtige Balance zwischen ultraleicht und funktional zu finden. Entscheidungen werden bei 10gram nicht allein nach dem Gewicht getroffen, sondern immer mit Blick auf den tatsächlichen Nutzen.

(c)10gram_Merino_Flux
(c)10gram_Flux_Merino

Ich möchte langfristig in Europa fertigen und das Sortiment bewusst langsam ausbauen. Lieber wenige, durchdachte Produkte als viele beliebige.

Ganz neu ist der Flux Merino™, ein aktiver Midlayer mit Merinoanteil. Als Nächstes arbeite ich an einer Hose – nach der Resonanz auf die Hoodies war das der logische nächste Schritt.

Besonders wichtig bleibt mir der direkte Austausch mit den Menschen, die meine Produkte nutzen. Ob über Umfragen, Social Media oder persönliche Nachrichten: Dieses Feedback fließt direkt in die Weiterentwicklung von 10gram ein.


Vielen Dank an Sophia für die spannenden Einblicke in die Geschichte von 10gram Equipment. Wir sind gespannt, wie sich die Marke weiterentwickelt und welche innovativen Produkte künftig ihren Weg auf die Trails finden.

Besonders freuen wir uns darauf, den neuen Flux Merino™ sowie den Phantom Alpha Hoodie auf unseren kommenden Abenteuern ausgiebig zu testen – zunächst auf dem Japanese Alps Traverse in Japan und anschließend auf dem Great Himalaya Trail in Nepal. Nach mehreren tausend Kilometern auf einigen der anspruchsvollsten Fernwanderwege der Welt dürften die beiden Midlayer dabei reichlich Gelegenheit bekommen, ihre Stärken unter Beweis zu stellen.


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