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Nationalpark Berchtesgaden – Aufgepasst auf die Steinadler

Vorsicht Gleitschirmflieger - „Ich habe dem Steinadler direkt in die Augen geschaut“

Der Nationalpark Berchtesgaden feiert 2018 seinen 40. Geburtstag. Er gilt als Refugium für viele bedrohte oder gefährdete Tierarten. Das Team vom Nationalpark beobachtet diese und informiert. Seit einigen Jahren betreibt der Nationalpark auch ein intensives Steinadlermonitoring. Insgesamt 16 Paare fallen in das Beobachtungsgebiet vom Adlerteam, alleine fünf Paare leben im Nationalpark Berchtesgaden. Etwa 95 Horste sind bekannt – allerdings gehören diese Horste nicht rund 100 verschiedenen Adlerpaaren, sondern oftmals 10 Horste einem einzigen Paar.

In der Regel wählen die Adlerpaare jedes Jahr einen anderen Horst. Einerseits aufgrund besserer Jagdbedingungen, weil sich die Beutetiere erst einmal wieder darauf einstellen müssen, dass sie in ihrem Lebensraum bejagt werden und andererseits, damit die Horste sich wieder von einem eventuellen Parasitenbefall durch die Aasverfütterung automatisch – durch fehlende Nahrung – quasi selbst reinigen.

Steinadler - mit dem Handy durch das Fernrohr fotografiert
Steinadler – mit dem Handy durch das Fernrohr fotografiert

Für BGLand24.de haben wir Dr. Ulrich Brendel, den Stellvertretenden Leiter vom Nationalpark Berchtesgaden zum Thema „Steinadler im Nationalpark Berchtesgaden“ zum Interview getroffen. Ein ganz wichtiges Anliegen beim Steinadlermonitoring ist die Einhaltung der Flugverbotszonen seitens der Gleitschirmflieger.

Gleitschirmflieger aufgepasst – so bitte nicht!

So schön die Adler anzuschauen sind, so aufwendig betreibt das Adlerteam auch sein Monitoring, um die brütenden Adler zu schützen. Gefährdet sind diese zum Beispiel durch Gleitschirmflieger oder Hubschrauberpiloten, die zu nah heranfliegen.

„Ich habe dem Steinadler direkt in die Augen geschaut, der hatte jede Menge Spaß neben mir in der Thermik“, berichtet Uli Brendel von einem Gleitschirmpiloten, der nach einem Flug am Jenner begeistert davon geschwärmt hat, Auge in Auge, sowie auf und ab durch die Thermik mit dem Adler zu fliegen. „Das war allerdings in Wirklichkeit überhaupt kein Spaß, sondern der sogenannte Girlandenflug, mit dem der Adler signalisiert, dass man in sein Revier eingedrungen ist“.

Nationalpark Steinadler (c) HJ Fünfstück - piclease_
Nationalpark Steinadler (c) HJ Fünfstück – piclease_

Flugverbotszonen rund um die Horste

Damit die Piloten wissen, welche Gebiete gemieden werden sollen, erstellt das Adlerteam unter der Leitung von Jochen Grab und Uli Brendel, stellvertretender Leiter im Nationalpark Berchtesgaden jedes Jahr Karten, auf denen die Horste gekennzeichnet sind, die von den Adlern angeflogen werden.  Außerdem werden regelmäßig Meldungen an die Vogelschutzwarte in Garmisch und an das  Flugamt Süd gemacht. Und auch die Gleitschirmflieger haben eine sogenannte Informationspflicht. Für sie gehört das Thema Naturschutz mittlerweile zu den Prüfungsfächern. Dazu gehört, sich vor dem Flug zu erkundigen ob in dem Gebiet zum Beispiel Adlerhorste zu finden sind und woran man erkennt, dass sich ein Adler bedroht fühlt.

So ist zum Beispiel der sogenannte Girlandenflug, in dem die Adler sich wie eine Girlande auf und ab bewegen, kein Zeichen für jede Menge Spaß in der Thermik, sondern eine Warnung an den Piloten, dass er sich zu nah am Horst befindet. Der Adler kann dem Hubschrauber zwar keinen Schaden zufügen, allerdings sorgt ein achtloses Verhalten für jede Menge unnötigen Stress beim Tier. Außerdem kann es für einen rücksichtslosen Gleitschirmpiloten schon mal riskanter werden, nämlich dann, wenn der Adler den Gleitschirm angreifen würde. Auch wenn das eher selten der Fall ist.

Rund 100 Adlerhorste im gesamten Gebiet

Insgesamt rund 100 Adlerhorste gibt es Gebiet. Zumeist jedes Jahr wählen die Adler einen anderen für die Brutzeit. Kristallisieren sich die bevorzugten Bereiche heraus, dann werden die sich dort befindlichen Thermikbereiche gesperrt, damit Gleitschirm- und Drachenflieger sowie Hubschrauberpiloten diese Bereiche meiden. Erkennbar sind diese Schutzzonen auf einer Karte, die der Nationalpark regelmäßig aktualisiert. Außerdem werden diese Angaben an die Flugsicherungsbehörden gemeldet.

„Mittlerweile halten sich die Hubschrauberpiloten recht gut an diese Verbotszonen. Allerdings müssen sie auch mit empfindlichen Strafen wie dem Entzug der Fluglizenz für ein bestimmtes Gebiet rechnen, wenn die Verbotszonen ignoriert werden.

Lediglich Hubschrauber der Bergrettung sind von dem Flugverbot ausgenommen. „Hier steht die Rettung eines Menschenlebens klar vor dem Einhalten der Flugverbotszone“, so der Chef vom Adlerteam. Für BGLand24.de waren wir vor Ort und wollten wissen, ob diese Verbotszonen eingehalten werden.

Interview mit Dr. Ulrich Brendel, Stellvertretender Leiter Nationalpark Berchtesgaden

Woher wissen die Gleitschirmflieger welche Bereiche gesperrt sind?
Wir markieren die Horste auf einer Karte mit Punkten. Sind die Punkte grün, ist das Gebiet aus Sicht der Adler offen, sind sie rot, dann ist hier eine Flugverbotszone. Das kann sich täglich ändern.

Wie groß ist so eine Flugverbotszone?
Der Bereich hat für Gleitschirm- und Drachenflieger einen Durchmesser von circa 1 km, also einen Radius von rund 500 m rund um den Horst. Für Hubschrauber gilt ein etwas größerer sensibler Bereich, nämlich ein Radius von 1.000 Metern.

Werden die Verbotszonen eingehalten?
Wir arbeiten sehr eng mit den  Vereinen vor Ort zusammen und seit dem wir alles dokumentieren, hatten wir keinen einzigen Fall bei dem eine menschliche Störung schuld an einem Brutabbruch gewesen ist. Das gab es früher sehr häufig. Früher lag der Bruterfolg in Bayern bei circa 0,18. Da brütete also weniger wie jedes 5. Paar erfolgreich. Inzwischen ist dieser Wert angestiegen auf  0,3 in unserem Gebiet, also jedes dritte Paar brütet inzwischen wieder erfolgreich.

Das ist eine gute Entwicklung, zumal wir hier eher in einem suboptimalen Bereich leben. Hier gibt es viele Faktoren, die unseren Lebensraum einschränken und im Gegensatz zu den Zentralalpen schlechtere Bedingungen bieten. Zum Beispiel was die Beutetiererreichbarkeit, , die Thermik, die Aufwindverhältnisse, oder die Witterung insgesamt angeht.  In den Zentralalpen hat man in vielen Bereichen einen Bruterfolg von rund 0,5, wo also jedes zweite Paar erfolgreich brütet. Der sogenannte „Überschuss“, der dort produziert wird, füllt bei uns am Rand der Population eventuelle Lücken auf.

Wie kann man kontrollieren, ob sich an die Verbotszonen gehalten wird?
Das funktioniert recht gut, vor allem über soziale Kontakte. In der Regel müssen wir eigentlich niemanden direkt anzeigen. Wir notieren Uhrzeit, Schirmfarbe, Anzugfarbe und schicken es an die Chefs der Gleitschirmfliegervereine,  die wissen dann meist schon wer das war und holen sich ihn dann. Bei den Hubschraubern läuft das ein wenig anders. Die bekommen über die Vogelschutzwarte in Garmisch und das Flugamt Süd die Koordinaten, die sie in ihr GPS eintragen müssen.

Hubschrauber sind natürlich schwieriger einzuschätzen wie ein Gleitschirmflieger. Dabei  kommt es immer darauf an, wie häufig sind sie im Revier. Und an diese gewöhnen sich die Adler auch leichter. Wir haben zum Beispiel auch einen Horst, der ganz in der Nähe eines Wanderweges ist, was viele Leute gar nicht wissen. Hier lassen sich die Tiere von den Bergsportlern nicht stören, weil sie wissen, dass die Menschen nicht zu ihnen hinauf kommen. Schwierig sind Störungen eigentlich eher dann, wenn Adlerpaare noch nicht lange zusammen sind und hinsichtlich anderer „Flugobjekte“ unerfahren sind.

Morgen geht´s weiter und zwar damit, was Adler und die Leinenpflicht für Hunde gemeinsam haben und wie man Mitglied im Adlerteam wird..

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Petra Sobinger

petra.sobinger@be-outdoor.de

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