AktuellesApril 2020Forum WildtiereNews

Sekundärvergiftungen – Tödlich für Mensch und Tier

Rettung in letzter Minute – Über den vergifteten Rotmilan aus Albstadt

Insektensterben, vom Aussterben bedrohte Lebensräume, Rückgang der Biodiversität – das Kapitel der Schäden ist lang, mit denen die Pestizide unsere Natur und somit auch unseren eigenen Lebensraum dezimieren. Vor allem Insektizide, die in der Regel auf neurotoxischen Substanzen (auch Nervengifte genannt) basieren, haben einen verheerenden Einfluss auf die Biodiversität.

Zwar wurde die Verwendung in Deutschland mittlerweile großteils verboten nachdem klar wurde, dass diese Mittel auch letztendlich eine direkte Gefahr für den Menschen bedeuten, aber noch bis Ende Februar war zum Beispiel noch die Verwendung von einem mit einem Neonikotinoid behandelten Saatgut erlaubt. Beispiele aus der Tierwelt zeigen, wie gefährlich diese Nervengifte auf den tierischen und menschlichen Organismus sind.

(c) D. Haas - Rotmilan - Sekundärvergiftung
(c) D. Haas – Rotmilan – Sekundärvergiftung

Sekundärvergiftungen – Leiser Tod für Mensch und Tier

Wir haben den Vogelexperten Dr. Dieter Haas zum Thema Sekundärvergiftung befragt, der erst kürzlich einem Rotmilan das Leben gerettet hat, der in buchstäblich letzter Minute zu ihm gebracht wurde.

„Mir wurde ein Rotmilan gebracht, der krampfend auf dem Rücken lag und unkoordiniert zuckte. Gefunden wurde er auf einem Parkplatz von einer jungen Frau, die dem Tier damit das Leben gerettet hat. Nach der unverzüglichen Injektion eines hochdosierten Gegengiftes erholte sich der Vogel rasch. Keine zehn Minuten nach der Spritze stand er auf, torkelte wie ein Volltrunkener umher und machte fünf Minuten später den ersten tapsigen Flattersprung.

Dann würgte der Milan ein Gewölle aus Mäusehaaren heraus. Die Nacht verbrachte er in einem ruhigen, dunklen Behälter mit einem weichen Katheder um den Hals um die Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten, außerdem wurden seine Ausscheidungen kontrolliert. Am darauffolgenden Morgen befreite sich der Vogel und flog davon.

(c) D. Haas - Sekundärvergiftung
(c) D. Haas – Sekundärvergiftung

Die Schädigung des Tieres fand über eine sogenannte Sekundärschädigung statt, in diesem Fall durch den Verzehr der vergifteten Mäuse, die sich wiederum an mit Insektiziden vergifteten Saatkörnern vergiftet hatten. Eine Sekundärvergiftung des Milans ziehe ich in Betracht auf Grund des Gewölles mit Mäuseresten, und weil zwei mit gleichen Symptomen kürzlich überbrachte Elstern auf bestellten Feldern gefunden wurden – in verschiedenen Regionen von Baden-Württemberg. Eine kriminelle Primärvergiftung, zum Beispiel mit Carbofuran kann ich nicht ausschließen. Material für die Giftanalyse wurde gesichert.

(c) D. Haas - Sekundärvergiftung
(c) D. Haas – Sekundärvergiftung

Aber nicht nur Mäuse werden dadurch vergiftet, auch Feldvögel, Rebhühner, Erdkröten und selbst Katzen und Hunde können so schwer geschädigt werden, dass sie nicht mehr vor Beutegreifern flüchten können. Für die besonders hohe Gefahr für unsere Feldvögel durch die unmittelbare Giftwirkung sprechen folgende Befunde: Eine der Elstern mit schwächeren Symptomen erholte sich ohne Antidot.

Als sie schon wieder in der Voliere fliegen und landen konnte, ließ sie sich noch streicheln. Später, als sie wieder scheu war und freigelassen wurde, flog sie nur auf den nächsten Baum. Die mit Antidot behandelten Vögel suchten rasch das Weite. Spät eingelieferte Vergiftungsfälle, bei denen kein Antidot mehr wirkte, zeigten diskrete dauerhafte Ausfallserscheinungen, sie waren unter anderem unfähig zur Gefiederpflege und mussten eingeschläfert werden. Vögel mit solchen Beeinträchtigungen fallen leicht Beutegreifern zum Opfer“.

(c) D. Haas - Sekundärvergiftung
(c) D. Haas – Sekundärvergiftung

Auch unsere Redaktion schließt sich dem Aufruf an, Proben von den vergifteten Tieren für den Nachweis der speziell verwendeten Gifte zu sammeln. Der teure Nachweis mit Hilfe der Chromatografie kann erfolgen, wenn eine spezifische Substanz verdächtigt wird. Lokale Hinweise nimmt Dr. Hass vertraulich unter Tel. 01714683704 entgegen.

Ihr könnt übrigens auch im eigenen Garten vollständig auf Biozide verzichten und Restbestände von Round Up & Co. sowie Insektizid-Restbestände zur speziellen Abfallentsorgung für Giftstoffe abgeben.

Kontaktdaten Dr. Dieter G. Haas

Für alle weiteren Fragen steht Dr. Haas gerne jederzeit zur Verfügung.
Dr. Dieter G. Haas
Zillhauserstr. 36
D 72459 Albstadt
Tel. 01714683704

Quelle: Dr. Dieter Haas

Schlagwörter
Mehr zeigen

Petra Sobinger

petra.sobinger@be-outdoor.de

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Close