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Unruhestifter Influencer? Naturfotos sorgen für Shitstorm

Kampf gegen die Selfie-Sucht?

Genau wie das Internet und die geliebten oder gehassten „Sozialen Medien“ sind auch die Influencer nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Das Wort Influencer kommt – wie so viele Worte aus unserer heutigen Sprache aus dem Englischen von „to influence“, was so viel bedeutet wie „beeinflussen“. Seit den „2000er“ Jahren werden Personen als Influencer bezeichnet, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihrer Beliebtheit bei ihren Followern in den sozialen Netzwerken als Träger für Werbung und Vermarktung gelten. Das dadurch entstandene Influencer-Marketing ist ein nicht mehr wegzudenkender Bereich mit Hinblick auf Werbung, Vermarktung & Co.

Jeder 10. Deutsche ein Influencer?

Zahlreiche Studien zu dem Thema Influencer kursieren im Netz und je nach Quelle gilt jeder 10. bis 12. Deutsche – oder sieht sich – als Influencer. Das Betätigungsfeld ist groß, „influencen“ kann man quasi für alles, sei es für Mode, Ernährung oder Produkte jedweder Art. Immer beliebter geworden und das sprunghaft, ist allerdings die mehr und mehr zunehmende „Hot-Spot-Selfie-Sucht“ von Influencern und vor allem „Möchte-gern-Influencern“, die teilweise ihr Leben für das „Foto“ schlechthin riskieren – oder noch schlimmer – andere Menschen dazu animieren genau dieses Foto nachzustellen und sich damit in Lebensgefahr bringen.

Foto-Hotspot Berchtesgaden – Tödliche Falle „Gumpenspaß“

Einen nicht zu unterschätzenden Shitstorm hat die Story einer sogenannten Influencerin ausgelöst, die mit ihrem Van durch Deutschland kurvt und der Meinung ist, dass sie einen nicht umstrittenen Hot-Spot im Berchtesgadener Land präsentiert. Die „Influencerin“ hat rund 1,2 Millionen Follower und teilt regelmäßig ihre Stories mit selbigen. In der besagten Story machte sie sich auf zu einem bei Ausflugstouristen und Freizeitwanderern immer beliebter werdenden Hotspot oberhalb vom Königssee. Dieser Ort war einmal ein versteckter Geheimtipp für Einheimische. Ein malerischer Wasserfall, der Königsbachfall, der sich über verschiedene Gumpen bis hinab in den Königssee stürzt und wunderbar auch von den Ausflugsbooten der Königsseeschifffahrt als Fotomodell genutzt wird. Aus dem Geheimtipp ist ein Hot Spot geworden an dem mittlerweile pro Tag manchmal locker 200 Leute versuchen das Foto ihres Lebens zu schießen.

Die steigende Anzahl sogenannter Influencer oder noch schlimmer der Möchte-gern-Influencer hat allerdings dazu geführt, dass dieser Ort mittlerweile nicht mehr nur ein Ort für die Selfie-Sucht von Touristen ist, sondern auch für die Bergwacht, denn diese wird im Falle eines Falles gerufen, um die Freizeitsportler anschließend zu retten und sicher nach Hause zu geleiten. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass der Großteil der Fotosüchtigen in der Regel weder hinsichtlich Ausrüstung, Erfahrung oder Kondition in der Lage ist, den Weg dorthin, geschweige denn die Felsen hinauf – oder wieder herunter – sicher zu bewältigen.

Dazu kommt das fehlende Wissen oder häufig auch die Ignoranz um die Todesgefahr die von den Gumpen ausgeht, denn nicht umsonst sind hier erst vor wenigen Monaten zwei Menschen ertrunken. Sie sind übrigens nicht ertrunken, weil sie ausgerutscht und hineingefallen sind oder ähnliches – nein sie waren der Meinung sie gehen für das Foto ihres Lebens in ihnen schwimmen ohne darüber nachzudenken, dass der Wassersog sie in die Tiefe ziehen kann und sie einfach nicht mehr herauskamen. Besonders das viele Schmelzwasser oder starke Regenfälle sorgen hier für akute Lebensgefahr, die übrigens auch beschrieben, aber geflissentlich ignoriert wird…

Nichtsdestotrotz finden sich immer mehr Blogberichte, Tourempfehlungen und sogar GPS-Beschreibungen sogenannte Blogger mit Texten wie: „…Nachdem du im Pool kurz gebadet und dein Foto gemacht hast, wirst du froh sein dich aufzuwärmen…“und weiter… „Der Wasserfall bietet auch noch einmal ein schönes Fotomotiv, aber auch hier ist das Wasser saukalt! Egal, ich bin nur einmal hier…“

Dazu kommen die negativen Auswirkungen durch Lärm, Müll und Zerstörung für die Wildtiere und die Natur. Von einem Rückzugsort für die Wildtiere ist hier nicht mehr wirklich zu sprechen, denn die Fotosüchtigen kommen nicht nur tagsüber, sondern auch am frühen Morgen oder späten Abend. Teilweise wird sogar wildgecampt – was im Nationalpark übrigens strikt verboten ist – und von Mülltüten bis ganzen Zeltausrüstungen bleiben immer wieder jede Menge Hinterlassenschaften zurück. Von der Gefahr eines Waldbrandes abgesehen, wenn Lagerfeuer nicht richtig gelöscht werden. Durch die immer mehr werdenden Trampelpfade, die dadurch inmitten eines Schutzgebiet-Bergwaldes entstehen, wird außerdem die sensible Uferregion mehr und mehr regelrecht zertrampelt.

(c)Nationalpark Berchtsgaden
(c)Nationalpark Berchtsgaden

Shitstorm Nationalpark Berchtesgaden

Die „Influencerin“ beschreibt in ihrem Post in vielen Videos wie man zu dem Hot Spot gelangt und präsentiert natürlich ein Foto von sich in dem sogenannten „natürlichen Infinity Pool“. Der Beitrag hat nun einen wahren Shitstorm ausgelöst und dazu geführt, dass auch der Nationalpark Berchtesgaden in seinem Instagram-Account dazu Stellung genommen hat: „Der Wasserfall am Königssee ist dem Überfall durch Influencer zum Opfer gefallen. Das früher ruhige und abgelegene Naturparadies leidet. Viele Einheimische gehen wegen der Massen gar nicht mehr hin. Die Gumpen werden im Netz getaggt, gepostet, geliked, am besten gleich live. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Die Fotos vom Baden im „Natural Infinity-Pool“ luden Tausende zum Nachahmen ein. Der Run auf den Wasserfall forderte bereits Tote! Und die Natur mitten im Nationalpark wird immer mehr zerstört. Die Ufervegetation ist bereits komplett zertreten, Berge von Müll werden hinterlassen und illegale Lagerfeuer gemacht. Unbelehrbare campieren im Schutzgebiet, hinterlassen sogar ihre Billig-Zelte und Schlafsäcke. Das kann es doch nicht sein!

An alle Influencer: Mit Euren teilweise enormen Reichweiten habt Ihr viel Einfluss auf viele Menschen. Seid Euch bewusst, dass ihr durch solche Postings die Natur zerstört. Campieren, Lagerfeuer, Müll, Drohnenflüge – das ist alles im Nationalpark verboten. Warum? Weil Tiere gestört werden und die Pflanzenwelt leidet. Seid verantwortungsvoll mit Euren Mitmenschen und unserer einzigartigen Natur. Löscht Eure Posts und stellt keine neuen ins Netz. Verzichtet auf Wegbeschreibungen. Mittlerweile werden in der Instagram-Community auch andere Stimmen laut, die rücksichtslose Influencer ermahnen: Verzichtet auf Hashtags! Behaltet die Tipps für Euch! #stopgeotagging #protectnature ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Und nicht zuletzt: Weniger als 1% der Landesfläche in D sind Nationalparks. Diese Fläche ist winzig. Hier sollten es wir Menschen doch schaffen, uns zurückzunehmen und die Natur die erste Geige spielen lassen. Die Natur dankt es euch…

Nationalpark Berchtesgaden – Appell an die Influencerin

Die „Influencerin“ weist zwar in ihren Posts darauf hin, dass der Weg nicht ganz ungefährlich ist, aber trotzdem wird klar, dass der Beitrag zum Nachmachen einlädt. Der Nationalpark Berchtesgaden wendet sich in seiner Kritik übrigens auch persönlich an die Verursacherin. „Dir sollte bewusst sein, dass diese Bilder vom Wasserfall auf Instagram auf die Natur, Tiere und Pflanzen, die Besucher und deine Follower sehr schlimme Folgen nach sich ziehen.“

Eine Reaktion auf die Kritik ist bisher noch nicht bekannt, auch nicht auf den Hinweis, dass der Drohnenflug, mit dem vermutet wird, dass ihre Aufnahme damit entstanden ist, nun rechtlich geprüft wird. Aber immerhin:

Von „unverantwortlich“ bis „sofort löschen“ mehren sich die kritischen Kommentare – sowohl auf dem Profil der Influencerin als auch auf dem  Nationalpark Berchtesgaden sowie sämtlichen Portalen die diesen Bericht aufgreifen.

Allerdings – mal ganz ehrlich – Ist dieser „Shitstorm“ bei aller Kritik jetzt im Nachgang für die sogenannte Influencerin nicht ein Erfolg auf der ganzen Linie? Der „gemeine“ Leser meint es sicherlich gut und ist großteils unwissend darin, was es bedeutet, wenn man in seiner Kritik die Verursacherin direkt markiert, damit sie die Kritik bekommt.

Professionelle PR- und Medienleute sollten allerdings wissen, dass die Nennung, bzw. Markierung in Posts nur dazu führt, dass dieser Account noch bekannter wird und wer sich mit Instagram und Facebook auskennt der weiß über die Algorithmen und das einem Profile, die man anklickt dann auch zukünftig gerne angezeigt werden.

Bye the way – Die Anzahl der Follower dieser sogenannten Influencerin ist bereits gestiegen und ihr Name und Profil hat an Bekanntheit gewonnen. Kleiner Tipp – beim nächsten Mal besser die Bezeichnungen weglassen und die Verursacher persönlich anschreiben, wahre Follower von solchen Leuten lassen sich so bestimmt nicht von ihrem Vorhaben abhalten, sondern machen sich erst recht auf den Weg ihrem „Idol“ zu folgen…!

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Petra Sobinger

petra.sobinger@be-outdoor.de

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