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Wildbienenprojekt in der Ramsau

UNESCO Biosphärenregion Berchtesgadener Land lässt es summen

Die UNESCO-Biosphärenregion Berchtesgadener Land ist groß und wunderschön. Sie erstreckt sich von den Gipfeln der Berchtesgadener Alpen, über die Wiesen und Weiden der Bergbauern, bis in das hügelige Voralpenland hinein. Unzählige seltene Tier- und Pflanzenarten, wie zum Beispiel Steinadler, Murmeltier, Auerhuhn, Enzian und Edelweiß, sind hier heimisch.

Dazu kommen Insekten, die für eine intaktes Ökosystem unerlässlich sind. Ganz wichtig: Die Wildbiene! Etwa 80% unserer Pflanzen sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. Die friedfertigen Wildbienen sind dabei besonders emsig. Ist zwar im Berchtesgadener Land das Insektensterben noch nicht so prekär wie in vielen anderen Regionen, so lässt sich auch hier trotzdem ein Rückgang von Arten und Lebensräumen festzustellen.

Biosphärenregion Berchtesgadener Land - Wildbienenprojekt in der Ramsau (Dr. Peter Loreth)
Biosphärenregion Berchtesgadener Land – Wildbienenprojekt in der Ramsau (Dr. Peter Loreth)

Wildbienenprojekt in der Ramsau

Für BGLand24.de haben wir ein Wildbienenprojekt in der Ramsau besucht. „Die Wildbiene ist ein wichtiger Indikator für eine intakte Landschaft. Dort wo sie in ausreichender Menge und Diversität vorkommt, ist die Landschaft noch intakt, denn die Wildbienen sind ein wichtiger Unterstützer des Ökosystems“, so Dr. Peter Loreth, Leiter der Biosphärenregion Berchtesgadener Land.

So gibt es in Bayern über 500 verschiedene Arten und in den Alpen rund 250 – 280 verschiedene. Sie haben die unterschiedlichsten Größen, einige ähneln der Honigbiene, andere sind winzig klein. Auch die Hummel gehört übrigens zu den Wildbienen dazu. Wildbienen sind Einzelgänger, sie bilden keine Stämme und sind dadurch sehr friedfertig, denn sie müssen nicht wie die Honigbienen ihren Honig verteidigen. Männliche Wildbienen haben übrigens gar keinen Stachel.

So unterschiedliche Arten es gibt, so unterschiedlich sind auch die Lebensräume. Während die einen Totholzstämme vorziehen, leben andere Arten lieber in offenen Bodenstellen.

„Jeder kann im Kleinen für das große Ganze seinen Beitrag leisten“, so Dr. Peter Loreth. Es reicht schon, wenn man irgendwo im Garten ein Eck hat, das man nicht hegt und pflegt, sondern einfach die Blumen die dort wachsen stehen lässt. Das ist ein wahres Paradies für die Natur“.
Dr. Peter Loreth: „Die Wildbiene ist wichtig für ein intaktes Ökosystem“

Wildbienenprojekt mit dem Hotel Rehlegg

Das Wildbienenprojekt ist eines von vielen Projekten, die von Dr. Peter Loreth und seinem Team ins Leben gerufen wurden. „Unser Ziel ist es, die bunten Blumenwiesen, durch die wir als Kinder noch getobt sind und bunte Blumensträuße für unsere Mütter gepflückt haben, wieder entstehen zu lassen. Das funktioniert durch die gezielte Aussaat von Pflanzensamen, den wir auf Magerwiesen ernten“, so Dr. Loreth.

Genau solch eine blühende Magerwiese soll nun beim Hotel Rehlegg in der Ramsau entstehen. Auf einer Fläche von rund 400m² wurde zunächst der nährstoffreiche Boden abgetragen. „Je nährstoffreicher ein Boden ist, desto weniger Wiesenblumen blühen dort. Und es geht ja nicht darum, dass wir Löwenzahn & Co ansäen wollen, sondern es geht um die Wiesenblumen“ so Dr. Loreth.

Biosphärenregion Berchtesgadener Land - Wildbienenprojekt in der Ramsau - Der eBeetle
Biosphärenregion Berchtesgadener Land – Wildbienenprojekt in der Ramsau – Der eBeetle

Geerntet werden die Samen mit einem sogenannten „e-Beetle“, einer Erntemaschine die man über eine Wiese schiebt und die den Samen aus den Pflanzen ausbürstet. Der Wiese entsteht dabei kein Schaden, sie kann vom Landwirt ganz normal wieder genutzt werden.
„Wir freuen uns sehr, dass wir bei diesem Projekt dabei sind“, so Johannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg. Und ergänzt: „Wir haben uns schon einmal an solch einem Projekt beteiligt, damals ging es um Kräuter und Gräser und mittlerweile wachsen davon bei uns rund 70 verschiedene Arten.
Außerdem haben wir vor einiger Zeit bereits rund 40 Obstbäume gepflanzt, da unsere Bienen ja leider immer weniger Nahrung finden. Wir haben auch mittlerweile eigene Bienenstämme und circa 19 verschiedene Wildbienenarten und wir hoffen, dass durch dieses Projekt noch einige dazukommen“.

So entsteht eine Magerwiese

Je nährstoffärmer, oder auch magerer ein Boden ist, desto besser sind die Voraussetzungen für eine Magerwiese. So wurde auf dem Wiesengrundstück am Hotel Rehlegg bereits im vergangenen Herbst die Oberfläche abgetragen. Das Saatgut, dass hier aufgebracht wird, stammt von einer Wiese östlich von Berchtesgaden auf rund 700 Höhenmetern. Um die 50 Gräser und Kräuter wachsen dort, dazu jede Mengen Margeriten, unterschiedliche Kleearten und Wildkräuter, wie zum Beispiel Zittergras, Wiesenbocksbart oder die Wiesen-Flockenblume.

Da es sich bei der Saat um Lichtkeimer handelt, wird die Fläche nach der Ansaat nur plattgewalzt und auch eine zusätzliche Bewässerung ist nicht notwendig.
Im ersten Jahr bildet die Saat zunächst im unteren Bereich erste Blattrosetten, im zweiten Jahr kommen dann Blüten und Stiele dazu, in der Regel kann ab dem dritten Jahr mit einer blühenden Wiese gerechnet werden. Anfangs sollte so eine Wiese zweimal im Jahr gemäht werden, später reicht dann einmal jährlich.

„Wir erwarten rund 20-30 Wildbienen in solch einer Wiese“, so Peter Hober aus dem Team von Dr. Loreth. Und ergänzt: „Es ist ganz wichtig, dass die Empfänger- und Spenderflächen sowohl örtlich, als auch von den ökologischen Voraussetzungen her nicht so weit auseinanderliegen. Die Pflanzen haben sich bereits den Bedingungen vor Ort angepasst und können so besser wachsen“.

Biosphärenregion Berchtesgadener Land - Wildbienenprojekt in der Ramsau - Die Aussaat der Magerwiese
Biosphärenregion Berchtesgadener Land – Wildbienenprojekt in der Ramsau – Die Aussaat der Magerwiese

Rund 1,5 Hektar im Berchtesgadener Land wurden bereits mit solchem Saatgut angesäht. So ist zum Beispiel südlich von Laufen eine circa 7.000m² große Fläche angesäht worden, außerdem jede Menge kleinere Flächen in Anger, Teisendorf und Ainring.

Totholz aus den Bayerischen Staatsforsten

Auch Totholz bietet gleichermaßen Insekten wie Wildbienen ideale Lebensräume. Ideal dafür sind harte Hölzer, wie zum Beispiel Buchen. Während sich die sogenannten „Zimmerer“ unter den Bienen ihre eigenen Gänge durch das tote Holz graben, nutzen die „Folgenutzer“ bereits vorhandene Löcher.

Wer die Bienen unterstützen möchte, kann zum Beispiel Löcher mit einem Durchmesser von circa 2-10mm vorbohren. Allerdings sollte man darauf achten, dass diese Löcher glatt sind, da sich die Bienen sonst die Flügel zerstören bzw. solche Löcher erst gar nicht annehmen würden.

Auch die Bayerischen Staatsforsten unterstützen die Saatprojekte. „Wir haben genug Totholz im Wald und stellen das gerne für solche Projekte zur Verfügung. Außerdem werden wir in diesem Jahr auch vermehrt Grünflächen anlegen und blühende Bäume pflanzen“, so Dr. Daniel Müller, der Leiter der Bayerischen Staatsforsten.

Förderungsprojekt der Allianz Versicherung

Finanziell gefördert wird das Projekt durch eine Spendenaktion der Allianzversicherung. Für alle Kunden, die sich dazu entscheiden, dass sie ihre Post zukünftig per Mail bekommen wollen, anstatt per Post, spendet die Allianz 5 Euro für ein Umweltschutzprojekt, wie dieses.

Weitere Bienenprojekte im Berchtesgadener Land

Der Rupertiwinkel summt: Start-Workshop am 24. April in Kirchanschöring
Den Bienen droht von vielen Seiten Gefahr – Infoveranstaltung der Freien Wähler Bad Reichenhall

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Petra Sobinger

petra.sobinger@be-outdoor.de

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