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Interview mit Para-Sportler Michael Füchsle

Über einen Profi-Kletterer mit Handicap

Michael Füchsle wurde am 28.12.1966 geboren und ist seit 1985 Profi Sportkletterer. Schon früh nahm er an etlichen Kletterwettkämpfen teil und wiederholte Routen, beziehungsweise machte zahlreiche Erstbegehungen. 2005 änderte sich dann auf einmal sein Leben von einem Tag auf den anderen. Er erlitt einen Darmdurchbruch mit Blutvergiftung und lag 15 Tage im Koma.

Michael Füchsle – Vom Sportler zum Para-Athleten

Die Folge: Ein künstlicher Darmausgang (Ileo Stoma), eine starke Polyneuropathie und Anal Fisteln. Trotz allem entschloss er sich Anfang 2012 wieder mit dem Sportklettern und Bouldern anzufangen. Sozusagen als Profi Kletterer mit Handicap. Im März 2014 bestand er erfolgreich die Prüfung zum Klettertrainer und gibt nebenbei auch Kletterkurse in Ingolstadt und Augsburg.

Im Juni 2015 und im Oktober 2015 ging er dann bei zwei Internationalen Paraclimb Kletterwettkämpfen in Österreich und England an den Start, wo er zweimal einen guten 5. Platz belegte, im Juni 2016 einen guten 3. Platz in Campitello die Fassa und im Juli einen 4. Platz in Imst.

Im September 2016 folgte die Teilnahme an der Kletterweltmeisterschaft in Paris, wo er in seiner Kategorie den 5. Platz belegen konnte. 2017 erreichte er bei den Kletterwettkämpfen in Ehrwald den 3. Platz, beim Internationalen Master in Imst den 3. Platz, bei der Münchner Meisterschaft und beim World Cup in Brianconen je einen 3. Platz, sowie an den World Cups in Edinburgh den 5. Platz und in Sheffield den 2.Platz. Dadurch erkämpfte er sich den 2. Platz in der Weltrangliste für 2017. Außerdem ist er seit 2015 in der Deutschen Kletternationalmannschaft gesetzt.

Interview mit Michael Füchsle - Profi-Kletterer mit Handicap (c)Michael Füchsle
Interview mit Michael Füchsle – Profi-Kletterer mit Handicap (c)Michael Füchsle

Interview mit Michael Füchsle

Wir haben Michael Füchsle zum Interview getroffen.

Michael – wie geht es Dir? Wie war 2018 für Dich?
Danke, mir geht es ganz gut. Das Jahr 2018 war von Pleiten, Pech und Pannen gekennzeichnet. Nach meinem 3. Platz in Karlsruhe sollte es ständig bergab gehen. Angefangen hat das Jahr mit einem Zeckenbiss. Nach dem Master in Imst habe ich mir eine Muskelquetschung beim Trainingslager in Innsbruck zugezogen und das genau zwei Tage vor dem World Cup in Briancon. Ich ging zwar noch an den Start, aber ein guter Platz war einfach nicht drinnen. Danach folgten sechs Wochen Kletterpause, bis die Verletzung einigermaßen gut war. Mein Ziel, einen guten Platz auf der Weltmeisterschaft zu belegen, war in weite Ferne gerutscht. Mir war klar, dass ich dort keinen guten Platz belegen konnte. Trotzdem ging ich im September an den Start. Durch einen dummen Fehler erreichte ich mein Ziel unter die ersten 10 zu gelangen leider nicht.

Wie geht es nun weiter?
Ehrlich gesagt, ich weiß noch nicht genau, wie es und ob es überhaupt mit den Wettkämpfen weiter geht, das lasse ich mir noch offen. Klar wäre die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Tokyo noch was, aber da müssten sich noch einige Sachen, gerade was die medizinische Untersuchung betrifft, ändern. Fest steht, dass ich auf eine Vortragsreihe gehe und auf jeden Fall noch einige schwere Felsprojekte zu Ende bringe. Auch möchte ich nächstes Jahr nach langer Zeit wieder einige Erstbegehungen machen.

Interview mit Michael Füchsle - Profi-Kletterer mit Handicap (c)Michael Füchsle
Interview mit Michael Füchsle – Profi-Kletterer mit Handicap (c)Michael Füchsle

Rückblickend auf Deine Krankheit – wie hast Du gefühlt? Was hast Du gedacht als Du wieder aufgewacht bist und wie hast Du Dich motiviert wieder so aktiv zu werden?
Als ich nach dem 16-tägigen Koma aufgewacht bin, war ich ab dem Hals gelähmt. Keiner der Ärzte vermutete, dass ich jemals den Rollstuhl wieder verlassen könnte. Sie rieten meinen Eltern gleich einen Pflegeplatz zu suchen. Ehrlich gesagt, ich war damals sehr gelassen und habe es schon fast akzeptiert, dass ich im Rollstuhl bleiben muss. Nach fast acht Wochen im Krankenhaus wurde ich in die Reha-Klinik nach Enzensberg verlegt. Ich konnte immer noch keinen Finger oder Bein bewegen. Erst nach 2 Monaten Reha konnten erste kleine Fortschritte erzielt werden.

Zumindest konnte ich meine Arme etwas bewegen. Erst nach weiteren Monaten ging es auch duch viel Physio-Therapie mit den Beinen aufwärts. Das gab mir den nötigen Schub. Ab diesem Zeitpunkt ging es von Tag zu Tag besser, aber das Laufen musste ich wie ein kleines Kind wieder lernen und selbst nach sechs Monaten konnte ich noch keine 20m bewältigen. Den Klettersport habe ich zu diesem Zeitpunkt abgeschrieben. 2010 lernte ich dann meine jetzige Freundin Marion kennen. Sie hat mich dann so richtig aufgebaut und motiviert, ohne sie wäre ich jetzt nicht da wo ich jetzt bin. Sie war es auch, die mich 2012 überredete, es mal an einer kleinen Kletterwand im Bayrischen Wald wieder zu versuchen. Es hatte Spaß gemacht auch wenn natürlich nichts ging.

Wie hat damals Dein Umfeld reagiert als Du auf einmal krank warst?
90% meiner Freunde haben sich von mir abgewandt und wollten mit mir nichts mehr zu tun haben. Selbst meine damalige Verlobte hat noch im Krankenhaus mit mir Schluß gemacht. Zum Glück hatte ich ja noch meine Familie.

Wie motiviert man sich überhaupt dann?
Ich denke Motivation gehört zum Leben, wenn man keine Motivation hat, hat man schon verloren. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch der immer mehr möchte.

Was ist Dein Hauptziel, das Du unbedingt erreichen willst?
Es gibt viele Ziele, in welche Richtung ich gehe, werde ich Ende des Jahres entscheiden. Auf jeden Fall steht noch ein schweres Felsprojekt an. Habe da noch ein Projekt in Österreich und in der Nähe von Konstein.

Interview mit Michael Füchsle - Profi-Kletterer mit Handicap (c)Michael Füchsle
Interview mit Michael Füchsle – Profi-Kletterer mit Handicap (c)Michael Füchsle

Wie gehindert / gehandicapt bist Du beim Sporteln?
Mein Stoma hindert mich schon etwas beim Sport treiben, gerade wenn es überhängend wird, tue ich mich schwer da ich auf der rechten Seite keine Bauchmuskeln aufgrund des Stomas habe. Dann habe ich noch starke Polyneurophatie an den Beinen und Armen die mich gerade in der Beweglichkeit sehr einschränken und dann habe ich noch mehrere Analfisteln. Auch hier wurde ich schon öfter operiert, da diese sehr schmerzhaft sind. Nicht umsonst bin ich zu 90% schwerbehindert.

Wie finanzierst Du Deinen Sport?
Ich habe einige Sponsoren und meine DAV Sektion Ringsee, die mich finanziell etwas unterstützen, sodass ich mich voll aufs Klettern konzentrieren kann. Zu meinen Sponsoren, bei denen ich mich auch ganz herzlich für Ihre Unterstützung bedanken möchte, gehören:

Mad Rock Europe, Mad Rock Climbing, Nihil Clothing, neprosport, Sterling Rope Company, Inc., Climbskin, antworks, One47, #LACD, Autohaus Kornprobst GmbH, #DAV SEKTION RINGSEE, X-Over Bag, Hoch1 Klettershop, Energieliebe, This1.de, FrictionLabs

Michael Füchsle – Weitere Infos findet Ihr hier…

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Petra Sobinger

petra.sobinger@be-outdoor.de

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