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Natura 2000 – Geht so wirklich Naturschutz?

Auftaktveranstaltung zur Managementplanung

Über das Natura 2000-Gebiet 8342-302 NSG ‚Aschau‘, NSG ‚Schwarzbach‘ und Schwimmendes Moos

Grün – so war die Farbe, die bei der Auftaktveranstaltung zur Managementplanung Natura 2000 so ziemlich überwog. Das lag einerseits an der Location am Standort der Bayerischen Forstverwaltung als auch an der Kleidung der insgesamt 28 Teilnehmer und Gäste.

Grün – das ist eigentlich auch die Natur, natürlich neben all den anderen Farben und nicht umsonst heißt das Projekt ja schließlich Natura 2000. Aber worum handelt es sich eigentlich dabei genau?

In der farbenfrohen Broschüre lautet die Beschreibung wie folgt

„Natura 2000 bedeutet für Europa Vielfalt der Natur, Intaktheit der Landschaft und anregender Naturgenuss. Bayern bringt in das europäisch ökologische Netz Natura 2000 sein wertvollstes Naturkapital ein und übernimmt damit die Verantwortung für dessen Erhaltung, Pflege und wenn nötig auch Wiederherstellung. Mit der imposanten Zahl von 746 Natura 2000 Gebieten in Bayern, die mit circa 800.000 hektar rund 11 Prozent der Landesfläche einnehmen, stellen die europäischen FFH- und Vogelschutz-Richtlinien Eckpfeiler unserer bayerischen Naturschutzpolitik dar. Auf die natürliche und landschaftliche Vielfalt sind wir in Bayern zu Recht stolz. Wir wollen sie schützen und ungeschmälert der nächsten Generation weitergeben.

Es lohnt sich für uns alle, einen Beitrag für die Erhaltung dieses Naturerbes zu leisten, das Bayern jene Identität verleiht, die es unverwechselbar und für die Bevölkerung aber auch für Erholungssuchende und Touristen so attraktiv macht“.

So weit so gut – aber was heißt das „auf Deutsch“? Kurz gesagt – so zumindest der Tenor in der knapp dreistündigen Veranstaltung: „Die betroffenen Gebiete werden kartiert und ausgewertet und Maßnahmen aufgelistet, um bestimmte Lebensraumtypen besser zu schützen. „Allerdings“, so wird mehrfach betont, „sind für Privatbesitzer alle diese Maßnahmen freiwillig, niemand der Bodeneigentümer kann dazu gezwungen werden, irgendwelche Maßnahmen umzusetzen. Die normale Bewirtschaftung muss genau so weitergehen wie bisher. Lediglich für den Staat und den Staatsforst ist FFH verbindlich“.

Natura 2000 - Auftaktveranstaltung zur Managementplanung
Natura 2000 – Auftaktveranstaltung zur Managementplanung

Um diese Lebensraumtypen geht es dabei

Schwerpunktmäßig geht es um die folgenden Lebensraumtypen laut des Anhangs der FFH (Flora-Fauna-Habitat) der Natura 2000 Verordnung. Da wären zum Beispiel die:

  • Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation
  • Alpine Flüsse und ihre Ufervegetation mit Salix elaeagnos
  • Buschvegetation mit Pinus mugo und Rhododendron hirsutum (MugoRhododendretum hirsuti)
  • Alpine und subalpine Kalkrasen
  • Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe
  • Lebende Hochmoore
  • Kalktuffquellen
  • Kalkreiche Niedermoore
  • Kalk- und Kalkschieferschutt-Halden der montanen bis alpinen Stufe (Thlaspietea rotundifolii) Kalkhaltige   Schutthalden der collinen bis montanen Stufe Mitteleuropas
  • Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
  • Nicht touristisch erschlossene Höhlen
  • Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)
  • Mitteleuropäischer Orchideen-Kalk-Buchenwald (Cephalanthero-Fagion)
  • Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion)
  • Moorwälder
  • Montane bis alpine bodensaure Fichtenwälder (Vaccinio-Piceetea)

Und außerdem um die Erhaltung und den Schutz von

  • Frauenschuh und dem
  • Skabiosenn-Scheckenfalter

Das sind die Maßnahmen

Ein wenig konkreter geht es um den Erhalt der Bergwälder und Bachschluchten an den Nordwesthängen von Reiteralm und Achberg als „eines der wichtigsten Komplexitätszentren standörtlich heterogener, thermophil beeinflusster Ökotone aus natürlichen Latschen-, Rasen-, Fels-, Flachmoor- und Waldbeständen der östlichen bayerischen Kalkalpen sowie den Erhalt des Schwarzbachs als natürlichem karstalpinem Quellbach und des Schwimmenden Moores.

Natura 2000 - Auftaktveranstaltung zur Managementplanung
Natura 2000 – Auftaktveranstaltung zur Managementplanung

Und wie wird kartiert?

Die verantwortlichen Mitarbeiter ziehen ab Frühjahr 2019 durch die Gebiete und kartieren das Vorkommen und etwaige Schäden. Zu den Schäden zählen zum Beispiel Verbissspuren durch Wild. Auf die Frage ob auch die vorkommende Tierwelt, bzw. seltene, respektive geschützte Tierarten berücksicht werden, kommt allerdings nur die Antwort, dass der LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.) in die Kartierung mit einbezogen ist.

Wildtiere wie Gams, Rotwild &Co. scheinen in der Managementplanung übrigens überhaupt nicht vorzukommen, bis auf den Hinweis, dass auf zu viel Verbiss natürlich auch geachtet werden muss. Aber gehört eine intakte Tierwelt nicht auch zu einer grünen Managementplanung dazu, vor allem wenn daraufhin gewiesen wird, dass die Attraktion des grünen Bayern für Erholungssuchende und Touristen wichtig ist?

Natura 2000 - Auftaktveranstaltung zur Managementplanung
Natura 2000 – Auftaktveranstaltung zur Managementplanung

Und der Zeitplan?

Mit der Auftaktveranstaltung geht es nun in die weitere Zeitplanung und Kartierung der Gebiete. Nicht vor dem Spätsommer 2019 soll mit ersten Ergebnissen gerechnet werden, diese werden dann nach einer internen Auswertung der Öffentlichkeit und Presse vorgestellt. Auch eine Kartierungsteilnahme stellen die Verantwortlichen den Beteiligten und der Presse in Aussicht: „Wir nennen Ihnen dann Zeit und Ort, wo Sie sich die Maßnahmen anschauen können. Bitte kommen Sie nicht einfach auf eigene Faust und schauen, ob sie uns beim Kartieren treffen“. Zugegebenermaßen – es stellt sich dann zum Schluss die Frage: „Warum eigentlich nicht?“

Fazit – Natura 2000 Auftaktveranstaltung

Lange Rede – kurzer Sinn… Natur- und Wildtierfreunde dürfen gespannt sein, wie es weitergeht mit der Natura 2000 und vor allem mit Natur- und Tierwelt. Denn eines ist auch klar: Werden bei Kartierung & Co nur Naturbestand und -vorkommen aufgenommen, bzw. berücksichtigt und zum Beispiel etwaige Verbißspuren so dargelegt werden, dass die Abschussraten weiter erhöht werden, dann verstößt der Forst direkt gegen seine gesetzlichen Verpflichtungen, zum Beispiel einen geschützten Lebensraum zu erhalten oder die Lebensräume von geschützten Arten wie Auerwild.

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Petra Sobinger

petra.sobinger@be-outdoor.de

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