AktuellesAuf der JagdAugust 2019Forum WildtiereNewsSpezial

Zum Abschuss freigegeben – Gämsen unter Feuer

Am 1. August hat die Jagd begonnen

Seit dem 1. August wird wieder scharf geschossen – und zwar bevorzugt auf die Gämsen. Fast 5.000 Gämsen wurden im vergangenen Jagdjahr in Deutschland erlegt. 90 Prozent davon in Bayern. Den Mammutanteil des Abschusses haben die Bayerischen Staatsforste zu verantworten. „Dort wird noch immer der Grundsatz „Wald vor Wild“ mit dem Brecheisen durchgesetzt“, kritisiert Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung.

Deutsche Wildtier Stiftung und Verein Wildes Bayern klagen gegen Freistaat Bayern

Nach Rücksprache bei der Deutschen Wildtier Stiftung zeigen erste Analysen der Deutschen Wildtier Stiftung, dass bei der Jagd auf die Gams in Bayern zu viele Tiere in der jungen und mittleren Altersklasse geschossen werden. „Es mangelt an alten Tieren – sie sind rar geworden, da zu intensiv gejagt wird“, so Münchhausen. Und ergänzt: „Selbst der Staatsforst verfolgt in Bayern nicht die geltenden Regeln zum Abschuss, die u.a. in der Hegerichtlinie beschrieben sind. Das ist für das Überleben der Gämsen fatal, denn es sind die alten Tiere, die mit ihrer Erfahrung das Gamsrudel sicher durch harte Winter führen! Mehr als Reh oder Rothirsch leidet die Gämse unter einer natürlichen Sterblichkeit im Winter. Wir fordern, dass diese natürliche Sterblichkeit beim Abschussplan umfassender berücksichtigt wird, da sonst der lebende Bestand zu hoch eingeschätzt wird“.

Über die Schonzeit in Bayern

Die gesetzlich vorgeschriebene Jagdzeit in Bayern gilt vom 1. August bis zum 15. Dezember. Allerdings wurde im Bezirk Oberbayern die Schonzeit auf knapp 26.000 Hektar vollständig aufgehoben und somit darf das ganze Jahr gejagt werden. Unterlagen zeigen, dass fast jede fünfte Gämse im eigentlich als Schonzeit ausgewiesenen Zeitraum erlegt wird. Gegen die Aufhebung der Schonzeit hat der Verein Wildes Bayern, unterstützt von der Deutschen Wildtier Stiftung, jetzt beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einen Normenkontrollantrag gestellt. „Damit kommt die wildfeindliche Politik Bayerns auf den juristischen Prüfstand“, erklärt Münchhausen. Das präkare daran: „Selbst im Nationalpark Berchtesgaden gibt es ein Gebiet, in dem die Schonzeit aufgehoben wird. „Jagd während der Schonzeit in einem Nationalpark ist nicht vereinbar mit dem Ziel eines derartigen Schutzgebietes, in dem Natur und Wildtiere Vorrang haben sollen“, so Münchhausen.

Wie viele Gämsen leben in den bayerischen Alpen

Verlässliche Zahlen darüber, wie viele Gämsen in den bayerischen Alpen leben, gibt es nicht. „Wir brauchen dringend ein Monitoring über den Gamsbestand, das seinem Namen gerecht wird“, fordert Münchhausen. Gerade eine sich oft außerhalb des Waldes aufhaltende und tagaktive Wildart lässt sich vergleichsweise gut erfassen. „Das Monitoring ist ohnehin eine Verpflichtung für Bayern, da die Gämse über die Fauna – Flora – Habitat Richtlinie der EU geschützt ist und nur gejagt werden darf, solange nachgewiesen wird, dass dadurch die Population der Gämse nicht gefährdet wird“, erläutert Münchhausen und kritisiert: „Bislang meldet Bayern einfach nach Brüssel, dass alles in Ordnung sei und verweist dabei auf die Zahl der geschossenen Gämsen“.

Hoffnungsschimmer für die Wildiere?

Einen Hoffnungsschimmer sieht die Deutsche Wildtier Stiftung im neu verabschiedeten Naturschutzgesetz für Bayern. Dort heißt es jetzt in Artikel 3, dass „im Staatswald das vorrangige Ziel zu verfolgen ist, die biologische Vielfalt des Waldes zu erhalten oder zu erreichen“. „Wenn Bayern unter biologischer Vielfalt des Waldes nicht nur Borkenkäfer und Schwarzspecht versteht, sondern auch Rothirsch, Reh und Gämse muss jetzt Schluss sein mit dem Vernichtungsfeldzug der Bayerischen Staatsforsten beim Wild“, hofft Münchhausen.

Ebenfalls interessant zu diesem Thema:
Schlechte Aussichten für die Gams – Will Kürnach die Gams ausrotten?

Quelle: Deutsche Wildtier Stiftung

Schlagwörter
Mehr zeigen

Petra Sobinger

petra.sobinger@be-outdoor.de

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Close